Der Dishwasher ist zurück!


So etwas gibt es noch nicht – zumindest nicht aus Deutschland. Wir versammeln hier Erfahrungen von jungen Menschen aus der Arbeiter*innenklasse. Sie erzählen aus ihrem Leben, von ihrer Kultur und von Konflikten im Bildungssystem und in der politischen Arbeit.

Dies ist die erste Sammlung solcher Erfahrungsberichte aus Deutschland (soweit wir wissen). 2009 hat Gabriel Kuhn extra ein Heftchen aus dem Schwedischen übersetzt. Das Heftchen heißt Mit geballter Faust in der Tasche – Klassenkonflikte in der schwedischen Linken. Darin geht es um unterschiedliche Lebensweisen, unterschiedliche Blickwinkel auf die Welt. Es geht um Konflikte, die entstehen, wenn verschiedene Welten aufeinandertreffen. Wenn man die Texte liest, spürt man: da musste was raus. Die jungen Schwed*innen schreiben sehr emotional über ihre Erfahrungen. Auch in Deutschland muss was raus. Das zeigen die Texte in diesem Magazin. Deshalb war es eine richtige Entscheidung, den Dishwasher wiederzubeleben nach 10 Jahren.

Es tut gut zu lesen, dass auch andere Menschen ähnliche Probleme haben. Das zeigt uns: Wir sind nicht allein. Ähnliche Geschichten anderer zu lesen, hilft uns zu verstehen, dass unser Leben nicht zufällig verläuft. Wir verstehen, dass es damit zu tun hat, wie Menschen zusammenleben. Es hat zu tun mit Faktoren wie Klassen, ethnischer Herkunft und Geschlecht.

Wenn wir verstehen, was unser Leben wie beeinflusst, dann gewinnen wir ein Stück Orientierung und Kontrolle zurück. Wir sehen, dass die Welt nicht bleiben muss, wie sie ist. Wir können sie ändern – im Privaten und im Politischen.

Die grundlegenden politischen Probleme können wir allerdings nur lösen, indem wir uns zusammentun. Dabei reicht es nicht, wenn nur eine Minderheit von politisch Interessierten aktiv ist – es muss eine Massenbewegung sein. Momentan aber sind manche Bevölkerungsgruppen wenig in politischen Gruppen zu finden: Menschen wie Arbeiter*innen (und deren Kinder), Nicht-Studierte, Menschen mit Migrationsgeschichte, oft auch Frauen.

Deswegen wollen wir auch Bewusstsein schaffen für alle politisch Interessierten. Wir wollen die Arbeiter*innenklasse zum Thema machen – ihre Lebensweise und ihre Kultur. Wenn wir einander besser verstehen, können wir besser zusammenarbeiten und mehr politische Kraft aufbauen.

Die Aussagen der Texte widersprechen sich teilweise. Und das ist auch gut so. Denn auch wenn wir alle zur Arbeiter*innenklasse gehören, sind wir unterschiedlich aufgewachsen. Es gibt verschiedene Kulturen innerhalb der Klasse. Und es gibt natürlich familiäre Besonderheiten. Außerdem muss man beachten, dass hier Menschen schreiben, die alle studiert haben oder studieren. Menschen, die nichts mit der Uni zu tun haben, sind auch hier unterrepräsentiert. Aber wir sehen das Problem und wir wollen es lösen. Den Dishwasher wiederzubeleben ist der erste Schritt.

Das fikuS-Referat Münster


Das Dishwasher Magazin ist ein Magazin von und für Arbeiter*innenkinder. Der Name bezieht sich auf den sog. Tellerwäscher-Mythos, also der Annahme, jede*r egal wo er oder sie herkommt und wer die Eltern sind, könne vom Tellerwäscher zum Millionär werden. So predigen es häufig privilegierte Menschen, auch wenn dies nicht der Realität entspricht.